Bericht auf Deutsch
09.09.2026
ZurückAuf Wunsch von Nzoys Familie führte Border Forensics in Zusammenarbeit mit der Unabhängigen Kommission zur Aufklärung der Wahrheit über den Tod von Roger Nzoy Wilhelm (im Folgenden Unabhängige Kommission) zwei Jahren lang eine Gegenuntersuchung durch, um eine detaillierte Analyse der Ereignisse zu erstellen und die folgenden zentralen Fragen zu beantworten:
- Welche Umstände und polizeilichen Handlungen und Unterlassungen führten zum Tod von Nzoy?
- Welche Ermittlungsdefizite und Beweislücken prägen die strafrechtliche Untersuchung?
- Welche Rolle spielten Rassismus und Othering-Prozesse bei der Tötung von Nzoy?
- Wie handlungs- und verantwortungsfähig sind die zuständigen Institutionen, wenn es darum geht, in Fällen polizeibedingter Todesfälle Rechenschaft, Wahrheit und Gerechtigkeit herzustellen?
Für die Rekonstruktion der Ereignisse, die zu Nzoys Tod führten, wurden die räumlichen, visuellen und geostatistischen Methoden von Border Forensics mit der interdisziplinären Expertise der Unabhängigen Kommission verbunden. Damit wurde eine komplexe Konstellation von Faktoren sichtbar, die in Nzoys Tod mündete und die sich über verschiedene räumliche wie zeitliche Ebenen erstreckte. Diese Gegenuntersuchung bringt grundlegende neue Erkenntnisse zu den Geschehnissen am Bahnhof Morges ans Licht und widerspricht dem Narrativ, das von der Polizei, den Medien und der strafrechtlichen Untersuchung etabliert wurde.
Insbesondere zeigen wir, dass Nzoy keine Gefahr für andere darstellte und dass der Schusswaffeneinsatz durch nichts legitimiert war. Über den Einzelfall hinaus bietet unser Bericht auch neue Erkenntnisse im Hinblick auf polizeibedingte Todesfälle in der Schweiz. Wir zeigen, dass Todesfälle bei Polizeieinsätzen überproportional Menschen betreffen, die Othering-Prozessen ausgesetzt sind, insbesondere rassifizierte Personen, und setzen uns mit den historischen Wurzeln dieser Praxis auseinander.
Schliesslich zeigt unsere Analyse, dass sich im Umgang mit polizeibedingten Todesfällen ein Regime der Abwehr, Ignoranz und Straflosigkeit verfestigt hat. Dadurch werden Opfern und ihren Angehörigen Wahrheit und Gerechtigkeit vorenthalten und die gewaltförmige Polizeipraktiken weiter begünstigt.
Der Bericht wurde in der englischen Originalversion erstmals im August 2025 veröffentlicht. Für die deutsche Fassung wurden Teile davon im Sommer 2026 bearbeitet und erweitert.
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